KI-Strategie beginnt beim Unternehmen
Was ich aus meiner Zeit bei McCann über KI-Strategie mitnehme: Geschäft verstehen, Schwerpunkte wählen und die Voraussetzungen für echten Nutzen schaffen.
Stand: · keine Rechtsberatung
Das Wichtigste auf einen Blick
Lesedauer: ca. 8 Minuten
- Beim Business anfangen: Ziele, Kunden und Markt bestimmen, wo KI sinnvoll ist.
- Schwerpunkte wählen: Eine Strategie legt fest, was Vorrang hat und was bewusst zurücksteht.
- Eigene Stärken nutzen: Wissen, Daten und Kundennähe können durch KI wertvoller werden.
- Menschen früh einbeziehen: Fähigkeiten, Verantwortung und Vertrauen gehören von Anfang an dazu.
- Annahmen prüfen: Die Praxis zeigt, ob Qualität, Gesamtaufwand und tatsächliche Nutzung den Erwartungen entsprechen.
KI macht vieles möglich. Sie kann Aufgaben beschleunigen, Qualität verbessern und neue Angebote ermöglichen. Welche dieser Möglichkeiten ein Unternehmen weiterbringen, hängt von seinem Geschäft ab. Genau dort beginnt für mich das Thema KI-Strategie.
Als AI Lead bei der Werbeagentur McCann Deutschland und Mitgründer und Manager des europäischen AI Council der McCann Worldgroup habe ich die Einführung von KI maßgeblich vorangetrieben. Dabei kamen Geschäftsziele, neue Produktionsmodelle, Toolauswahl, Governance und die Befähigung der Teams zusammen. Aus der Arbeit an all diesen Stellschrauben nehme ich vor allem eines mit: Der Nutzen entsteht durch Entscheidungen, die zum Unternehmen passen und die Leute, die sie mit Leben füllen.
Zuerst verstehen, was sich verändern soll
Bevor ich über Anwendungen spreche, möchte ich das Geschäft verstehen. Was erwarten die Kunden? Wo gibt es Engpässe? Was zeichnet das Unternehmen aus? Und was könnte sich durch KI in seinem Markt verändern?
Für einen Produktionsbetrieb kann weniger Ausschuss entscheidend sein. Für einen Dienstleister eine schnellere Bearbeitung bei gleichbleibender Qualität. Für ein anderes Unternehmen liegt die Chance in einem Angebot, das bislang zu aufwendig war.
Jeder hat ein anderes Ziel. Und das Ziel bestimmt, welche Kennzahlen betrachtet werden müssen. Gesparte Minuten in der Produktion helfen wenig, wenn die Nacharbeit steigt. Mehr produzierte Inhalte bringen wenig, wenn sie niemand braucht. Deshalb gehört die Frage nach dem Nutzen an den Anfang.
Eine Strategie braucht klare Entscheidungen
Für mich ging es immer auch darum, welchen Platz KI in der künftigen täglichen Arbeit einnehmen soll. Welche Aufgaben eignen sich? Welche Fähigkeiten wollen wir aufbauen? Und welche Bedingungen müssen wir schaffen damit unsere Teams und Kunden mit guten Ergebnissen rechnen können?
Heute fasse ich die strategischen Fragen in sechs Feldern zusammen:
- Ausgangslage: Was verändert KI für unser Geschäft, unsere Kunden und unseren Markt?
- Zielbild: Welchen Wert wollen wir schaffen – bei Qualität, Effizienz, Kundenservice oder neuen Angeboten?
- Fokus: Wo setzen wir an und was verfolgen wir bewusst (erstmal) nicht?
- Eigener Vorteil: Wie stärken wir unser Wissen, unsere Daten und das, was uns auszeichnet?
- Fähigkeiten: Was bauen wir selbst auf, was kaufen wir ein und wo brauchen wir Partner?
- Investition: Welche Ressourcen setzen wir ein, welche Risiken können wir tragen und woran messen wir den Nutzen?
Die Antworten hängen am Ende immer zusammen. Ein attraktiver Use-Case kann sich verzögern, weil relevante Daten fehlen während ein bereits vorhandener Prozess der ohne Daten auskommt eine neue Möglichkeit eröffnet für Effizienz und Wachstum. Am Ende enstehen Prioritäten, sobald man das Gesamtbild aus Status Quo, Opportunitäten und Abhängigkeiten betrachtet.
Menschen gehören unbedingt in die Strategie
Für mich und für McCann als Agentur war die Befähigung der Teams ein wesentlicher Teil des Erfolgs. Diese Erfahrung prägte auch meinen Blick auf Strategie: Wir müssen früh verstehen, welche Aufgaben sich wie verändern und was die Menschen brauchen, um darauf bestmöglich reagieren zu können.
Das kann Wissen sein, praktische Übung, ein verlässlicher Ansprechpartner oder die Sicherheit, welche Daten und Werkzeuge sie verwenden dürfen. Die Mitarbeitenden kennen außerdem die Ausnahmen und Schwierigkeiten ihrer täglichen Arbeit am besten. Dieses Wissen hilft, Chancen realistisch einzuschätzen und sollte unbedingt vor dem ersten aktiven Change-Schritt abgefragt werden.
Aber auch Führung und Verantwortung gehören in die Gesamtbetrachtung. Wer entscheidet über Investitionen? Wer verantwortet die Anwendung und wer den Business Outcome? Welche Ergebnisse müssen geprüft werden? Was kann die KI autark, wo möchten und wo müssen wir Menschen einbinden? Solche Fragen beeinflussen bereits, welche Vorhaben sinnvoll und tragfähig sind.
Probieren geht über studieren - der Weg in die Praxis
Eine KI-Strategie legt die Richtung und die Schwerpunkte fest. Sie schafft Klarheit über Ressourcen, Fähigkeiten und Erfolgskriterien. Daraus entsteht eine Roadmap für die Umsetzung.
An ausgewählten Cases und Tasks prüfen wir anschließend, ob die Annahmen tragen. Werden Ergebnisse besser? Sinkt der Gesamtaufwand einschließlich Prüfung und Nacharbeit? Nutzt das Team die Anwendung tatsächlich? Die Antworten führen dann dazu vorhandene Ansätze auszubauen, anzupassen oder zu beenden. Das ist ein organischer Prozess.
Für mich muss eine KI-Strategie deshalb auch immer zweierlei leisten: Sie muss begründen, warum ein Unternehmen einen bestimmten Weg wählt. Und sie muss Orientierung geben, wenn Erfahrungen aus der Praxis neue Entscheidungen verlangen. “Zahlt das auf unsere Strategie ein?”
Wenn ich das alles summiere, komme ich dazu, dass KI Strategie folgendes tun muss: Geschäftsziele, Menschen und Technologie miteinander verbinden – und daraus einen Weg entwickeln, der zum jeweiligen Unternehmen passt.
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